Für viele Menschen ist das eigene Haus der Lebenstraum schlechthin. Doch selbst wenn es mit der Realisierung noch weit zu sein scheint, mit dem Planen kann nicht früh genug begonnen werden. Spätestens beim Grundstückskauf werden jahrelang gehegte Wünschträume auf den Prüfstand gestellt werden. Träumen kostet nichts - Bauen dagegen schon. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus kommt der Quadratmeter Wohnfläche heute auf knapp 1500 Euro. Ein paar Schubladen voll mit Notizen und Entwürfen sollte man sich auf jeden Fall gönnen.

Wer Träume wahr werden lassen, will tut gut daran, seine Vorstellungskraft zu schulen. Betrachten Sie die Planung ihres zukünftigen Hauses als eine konkrete Art des Träumens, und träumen Sie mit Bleistift und Papier. Um den Anfang zu finden hilft es, sich mit einem dicken Stapel Papier hinzusetzen und einfach drauflos zu zeichnen. Je präziser Sie später Architeken und Bauingenieuren ihre Ideen darlegen können, um so zielgenauer werden sie umgesetzt. Auch grobe Skizzen helfen bei der Beurteilung, ob sich ein Grundstück eignet oder nicht - und zwar vor dem Abschluss von irgendwelchen Verträgen.

Zeichnen Sie nun den Grundriss ihres Traumhauses - und nutzen Sie dazu "Rechenpapier", denn es ermöglicht ein maßstabgerechtes Arbeiten (bei 1:100 entspricht 1 m zwei "Kästchen"). Sind mehrere Stockwerke im Spiel, dann benötigt jedes sein eigenes Blatt, auch Keller und Speicher. Zeichnen Sie fiktive Himmelsrichtungen diesen den Plan mit ein, denn sie werden die Lage der Räume beeinflussen (Wohnzimmer nach Süden oder Westen, Schlafräume im Osten, etc.). Fertigen Sie ein paar Kopien dieser Skizzen an, um sie mehr als einmal verwenden zu können. Anschliessend zeichnen Sie für jeden Raum einen Kreis, und für jede Tür eine Verbindungslinie. Details können Sie dabei beiseite lassen - konzentrieren Sie sich einfach auf das Haus als Ganzes und seine Struktur.

Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt und schauen Sie sich verschiedene Bauformen von aussen und innen an. Fotografieren Sie alles, was Ihnen gefällt und skizzieren Sie es auf die oben beschriebene Weise. Vergleichen Sie die Resultate mit ihren Entwürfen und es wird nicht lange dauern, bis Ihnen immer konkretere Einfälle kommen. Organisieren Sie gemeinsame Brainstormings mit der gesamten Familie, notieren alle Vorschläge und Wünsche und arbeiten Sie diese auf die gleiche Weise als Entwürfe aus. Wenn Sie der Meinung sind, eine interessante Struktur entdeckt zu haben, halten Sie sie fest, indem Sie die Wände und die genaue Lage der Türen einzeichnen - bewahren Sie dabei aber die älteren Skizzen auch weiterhin auf, denn sie sind die Essenz Ihrer Idee.

Besorgen Sie sich den Plan eines beliebigen Grundstücks, der zu dem Maßstab ihrer Skizzen passt und der viele zusätzliche Informationen enthält - Himmelsrichtungen, Hanglage, der Bebauungsplan der zuständigen Gemeinde etc. Schneiden Sie die Traumhäuser ihrer Skizzen aus und legen Sie sie auf den Grundstücksplan. In der Regel stellt sich so schnell heraus, wie gut das Grundstück zu Ihren Träumen passt - bzw. umgekehrt. Natürlich können Sie auch gemäß der Gegebenheiten des Grundstücks einen neuen Entwurf anfertigen. Ob, wo und wie an dieser Stelle Kompromisse gemacht werden, liegt ganz bei Ihnen - wichtig ist, dass am Ende alle wichtigen Faktoren harmonisch zusammenfinden. Wer diesen Prozess oft durchgespielt hat, wird sich bei der Sichtung von Grundstücken schneller zurechtfinden.

Spätestens wenn ein Grundstück in die engere Wahl gekommen ist, stellen Computerprogramme eine große Hilfe dar. Längst gibt es Planungssoftware nicht mehr nur für Architekten. Viele sind intuitiv bedienbar, und schon nach einen kurzen Lernphase können auch Laien damit schnell Ideen festhalten und weiterverarbeiten. Die meisten dieser Programme können zwischen 2D und 3D Ansichten wechseln. Der 2D Modus bietet eine Planansicht aus der Vogelperspektive, genau wie beim Skizzieren auf Papier. Hier lassen sich mit Hilfe der Maus Wände verschieben oder der gesamten Grundriss abändern, Möbel einzeichnen und verteilen oder Terrassen und Garagen "anbauen". Wechselt man danach auf die 3D Ansicht, wird aus der Skizze ein plastischer Raum, der sich aus den verschiedenen Blickwinkeln betrachten lässt, je nachdem, wie man die virtuelle Kamera positioniert.

Die Auswahl an guter Software ist heute erfreulich groß. Empfehlenswert ist unter andere das Programm Sketch-Up, da es einerseits leicht zu erlernen und andererseits gerne von Architekten genutzt wird. Verfügen Bauherr und Architekt über kompatible Software, lastt sich austauschen und in beiden Richtungen bildlich veranschaulichen, was sonst in langen Gesprächen erarbeitet werden müsste. Vieles wird auf diese Weise sehr früh ersichtlich und vorstellbar - auch die zukünftige Inneneinrichtung, denn die die meisten Programme gestatten eine Planung bis ins allerkleinste Detail. Wie breit darf das Ledersofa sein? Welches Bambusparkett macht sich dazu am besten? Findet der Pizzaofen bequem in der Küche Platz? All dies lässt sich mit Planungssoftware  ausprobieren und bei Bedarf auch fotorealistisch angzeigen - Grenzen setzen dabei lediglich die Ressourcen des Rechners - je detailreicher das Modell, desto mehr Rechenzeit fällt an und desto schwieriger wird eine Darstellung in Echtzeit.

Eine derartige Detailplanung ist keineswegs ein überflüssiger Luxus. Bei den aktuellen Quadratmeterpreisen geht es um jeden Zentimeter Wohn(t)raum, denn ausladende Treppen und breite Gänge gehen spürbar ins Geld. Intelligente Planung schlägt zahlt sich aus und schafft Spielraum für zusätzlichen Wohnkomfort durch lange ersehnte Extras, vom automatischen Hörmann Garagentorantrieb bis zum FTTH Glasfaseranschluss. Und vergessen Sie beim Hausbau dem nicht, dass Träumen & Planen nie richtig aufhört. Ein gut gebautes Haus hält im Schnitt 100-150 Jahre. Dagegen wird es nur 20-30 Jahre dauern, und Ihre Kinder werden ihrerseits heiraten und Kinder haben. Je voraussichtiger und variabler sie geplant haben, desto leichter und kostengünstiger lassen sich zukünftige Um- und Anbauten vornehmen.