Superschnelle Downloadzeiten, Videokonferenzen, Internetfernsehen, Cloud Computing vom Feinsten - Glasfasertechnologie verspricht, die Zukunft wahr werden zu lassen. Bislang kamen zumeist Haushalte in größeren Städten in den Genuss eines Breitbandinternetzugangs über Glasfaser, doch mittlerweile haben auch kleinere Anbieter begonnen, ihre Pilotprojekte weiter auszubauen - unter anderem in den Großräumen Köln, München und Hamburg. In Zürich steht ein Budget von 400 Millionen Sfr für ein flächendeckendes Glasfasernetz vor der Bewilligung, in Deutschland treibt der Marktführer Telekom den Ausbau seines Netzes mit strategischen Partnerschaften voran: In einem Projekt mit der Wohnunsgesellschaft Deutsche Annington will die Telekom bis 2013 rund 40.000 Haushalte an ihr Netz anschliessen, ähnliche Projekte sollen folgen. Der größte Hemmschuh für den zügigen Netzausbau sind die hohen Kosten für Tiefbauarbeiten.

Mit welcher Geschwindigkeit Glasfasernutzer zukünftig durch den Cyberspace rauschen können, wird von der Art ihres Anschlusses abhängen. Zum einen wird mit FTTC gearbeitet, was so viel wie Fibre to the Curb bedeutet. Das heißt, die Glasfaser wird lediglich bis zur Verzweigerstation gelegt, daran schließt eine normale Telefonleitung an. Bis zu 50 MB/sec Übertragungsgeschwindigkeit können so erreicht werden, und das vergleichsweise kostengünstig. Zum anderen wird FTTB - Fibre to the Building, in erster Linie bei Mehrfamilienhäusern, verwendet. Hier reicht die Glasfaser bis zu einem Verteilerkasten im Haus, von dort geht es über normale Kupferleitungen bis zur Wohnung. Private Anbieter nutzen die letztgenannte Technik, um Gebäude anzuschließen. In Hamburg wird dies durch HanseNet realisiert, bis heute schon bei etwa 2000 Kunden, in Köln ist es NetCologne mit etwa 14.000 Häusern. Bei FTTH - Fibre to the House reicht die Glasfaser bis in die Wohnung. Theoretisch können hier Übertragungsraten bis zu 1 GB/sec erreicht werden, allerding sind auch die Kosten am höchsten. Günstiger stellt sich die Sache für Bauherren dar, die bei den ohnehin offenen Wänden die Verlegung von Glasfaserkabeln gleich realisieren können.

Doch was in den meisten Großstädten bald Standard sein dürfte, wird kurzfristig längst nicht überall möglich sein. Aufwand und Kosten für den Anschluss einzelner Häuser sind in ländlichen Bereichen sind derzeit noch hoch und für Anbieter unrentabel. Eine mögliche Lösung ist der Einsatz sogenannter Wasser-Faser-Systemen (WFS), bei denen Glasfaserkabel durch Trinkwasserleitungen gezogen werden. Für Großstädte brächte diese Technik Einsparungen in Millionenhöhe, da Tiefbauarbeiten entfallen. Im ländlichen Bereich könnte sie der einzige kurfristige Weg zur baldigen FTTH Versorgung sein. Erste Tests unter Aufsicht des Hygieneinstitutes der Universität Bonn im Oktober 2011 verliefen erfolgreich.

Glasfaserfasertechnologie nahm ihren Anfang mit der Herstellung von so genanntem "Engels- oder Feenhaar" zu dekorativen Zwecken durch thüringische Glasbläser im 18. Jahrhundert, und der Entwicklung des ersten Hohllichtleiters durch den irischen Physiker John Tyndall im Jahre 1870. Anfang der 1960er Jahre begann die Entwicklung von Techonolgien zur Informationsübertragung per Lichtleiter. Das erste diesbezügliche Patent wurde 1965 von der AEG angemeldet. Die anfänglichen Probleme des hohen Lichtverlustes sind im Laufe der Zeit ins Gegenteil gekehrt worden - der aktuelle Weltrekord für schnelle Datenübertragung beträgt 32 Terabit pro Sekunde.