Anja Pärsons Horrorsturz beweist: Die Frauen-Abfahrt war zu gefährlich
Die vielen spektakulären Stürze bei der olympischen Frauen-Abfahrt in Whistler Mountain haben wieder einmal für Diskussionsstoff gesorgt. Am schlimmsten erwischte es Anja Pärson und die Engelbergerin Dominique Gisin, die beim fast 60 Meter weiten Zielsprung wie Unfallpuppen durch die Luft flogen.
Nur 4 von 45 Fahrerinnen bewältigten den Franz's Downhill ohne extreme Probleme: Die überragende Siegerin Lindsey Vonn (USA), ihre überaschend stark fahrende Landsfrau Julia Mancuso (2.) sowie die Österreicherinnen Elisabeth Görgl (3.) und Andrea Fischbacher (4.). Die beste Schweizerin Fabienne Suter (5.) konnte einen Sturz nur ganz knapp verhindern und blieb fast zwei Sekunden hinter Olympiasiegerin Vonn. Routinier Nadia Styger, vor zwei Jahren bei der Generalprobe noch stolze Siegerin in Whistler, und Nadja Kamer verloren 3,03 und 3,95 auf die Beste. Sie waren schlichtweg überfordert von dieser Strecke, die eher auf Kraftbrocken wie Didier Cuche zugeschnitten war.
Fürchterlich stürzte beim Zielsprung die vierte Schweizerin, Dominique Gisin, nachdem sie verdreht durch die Luft geflogen war. Wie ein Dummie überschlug es sie und rutschte anschliessend, bis sie nach einem zweiten Abflug über eine Kuppe ohne Ski unsanft zum Stillstand kam. Diagnose: Glücklicherweise keine Knieverletzungen, lediglich eine leichte Hirnerschütterung, aber Olympia-Aus.
Erinnerungen an Albrechts Kitzbühel-Sturz
Noch schlimmer erwischte es die hochdekorierteste Fahrerin Anja Pärson (15 Olympia- und WM-Medaillen). Die 28-jährige Schwedin kam mit Rücklage über den gleichen Sprung und schlug rund 60 Meter weiter unten mit dem Gesäss auf die harte Piste, von wo sie ins nächste Tor katapultiert wurde. Erinnerungen an den schrecklichen Sturz von Daniel Albrecht vor 13 Monaten in Kitzbühel wurden wach. Glücklicherweise prallte Pärson nicht mit dem Kopf auf. Und auch sonst soll sie nicht schwerwiegend verletzt sein. Wenn selbst eine Olympiasiegerin, siebenfache Weltmeisterin und zweifache Gesamtweltcup-Siegerin mit einer Strecke nicht zurecht kommt, dann ist es Beweis genug, dass diese Piste für die Frauen zu gefährlich gewesen ist.
Wasmeiers Kritik
Trotzdem hat auch ARD-Experte Markus Wasmeier nicht ganz unrecht, wenn er sagt, dass das Problem vor allem bei den Fahrerinnen liege, die physisch zu wenig vorbereitet für solche anspruchsvollen Strecken seien. Diese Kritik müssen sich einige Athletinnen zu Herzen nehmen, die völlig überfordert die Franz's Downhill runterfuhren. Dazu gehören nicht zuletzt die Schweizerinnen.
Daniel Wyrsch, News1