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04.10.09, 11:40
| News1
Nesa Zimmermann

"Nachtzüge sind durchaus noch zeitgemäss", schreibt Nesa Zimmermann, Präsidentin der Jungen Grünen

Einige von Ihnen mögen sich womöglich noch an meine Artikel erinnern, die ich diesen Sommer von Rom aus geschrieben habe. Für alle andern sei es an dieser Stelle noch einmal betont: Die ewige Stadt ist eine Reise wert. Umso schockierter war ich, diese Woche in der Zeitung zu lesen, dass die Nachtzüge nach Bella Italia diesen Winter sang- und klanglos abgeschafft werden. Nachtzüge seien nicht mehr zeitgemäss, so eine der Begründungen. Mit einer ähnlichen Erklärung wurde vor gut zwei Jahren auch der Nachtzug nach Lecce vom Angebot gestrichen – obwohl er, insbesondere von süditalienischen Emigranten, durchaus frequentiert war; „nicht genug rentabel“, hiess es.
Was sind die Alternativen? Nach Lecce, das Auto oder Flugzeug. Nach Rom, allenfalls ein Schnellzug – höchstwahrscheinlich aber das Flugzeug. Denn ohne Nachtzug nimmt die Zugfahrt nach Rom beinahe einen Tag in Anspruch – man muss also über ein „ökologisches Gewissen“ verfügen, um die Zugfahrt in Kauf zu nehmen. Dagegen stellt der Nachtzug eine valable Alternative zum Flugzeug dar : Man „verliert“ keine Ferienzeit, weil man in der Nacht reist, und am morgen kommt man, gerade rechtzeitig zum Frühstück, im Herzen der Stadt an (im Gegensatz zum Flughafen liegt der Bahnhof im Stadtzentrum). Der Nachtzug, verkauft man ihn richtig, kann eine angenehme Reisemöglichkeit sein auch für diejenigen, die bei ihrer Ferienplanung (leider) nicht in erster Linie Kriterien der Umweltverträglichkeit gelten lassen.

Die Nachtzuggesellschaft City Night Line hat gemäss eigenen Angaben einen deutlichen Passagierzuwachs verbucht im Vergleich zum Vorjahr. Nachtzüge sind also durchaus noch zeitgemäss. Und in ein paar Jahren, wenn wir für unsere Flugbillete endlich realistische Preise bezahlen (Stichwort Treibstoffsteuer oder CO2-Abgaben), werden sie es erst recht sein. Aber  anscheinend verfügen weder die SBB noch ihre Schwesterunternehmen über die nötigen Zukunftsvisionen. 

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