Hiebe für "Schwester" Bernhard Russi
Bernhard Russi ist bisher die unantastbare Sport-Lichtgestalt der Schweiz gewesen. Bis Sonntagabend. In der SF1-Sendung "Unsere Helden" tritt er in einige Fettnäpfchen und bekommt deutliche Reaktionen von (Nicht-Ski-)Olympiasiegern. Auch Moderator Nik Hartmann verschont den 61-jährigen Russi nicht.
Bernhard Russi wirkt am Sonntagabend in der TV-Sendung, welche die Schweizer Olympia-Helden würdigte, verbissen, als ob er gerade die Streif in Kitzbühel bewältigen müsste. Sport als bierernste Angelegenheit. Dabei handelt es sich um eine SF-Unterhaltungssendung, es geht um Erinnerungen an unvergessliche und teils weniger erfreuliche Momente in der Schweizer Sportgeschichte. Zum Glück sorgen Komiker Marco Rima sowie Autorennfahrerin und Model Christina Surer für Lacher und einen Schuss Erotik. Auch Moderator Nik Hartmann findet das gesunde Mass zwischen Würdigung der Olympia-Sternstunden und Entertainment. Wohl nicht zuletzt weil Russi über Massen seriös wirkt und beim Probesitzen im Viererbob als hinterster Mann völlig aus dem Bild fällt, stichelt Hartmann gegen die Schweizer Sport-Lichtgestalt, die seit Jahrzehnten vom Schweizer Fernsehen als Ski-Kommentator und vom "Blick" als Kolumnist engagiert ist und entsprechend hofiert wird. Hartmann nennt Russi eine "Schwester" und fragt ihn, ob er auch mal was mit Marie-Theres Nadig gehabt habe...
Tanja Frieden und "Sonny" Schönbächler wehren sich
Doch bei diesen Majestätsbeleidigungen bleibt es nicht. Auch Sportler wehren sich. Als Russi zur verletzten Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden sagt, dass es schade sei, dass sie ihn Vancouver nicht starten könne, denn sie hätte noch etwas gut zu machen gehabt, antwortet die 34-Jährige: "Leute mit dieser Meinung haben keine Ahnung von unserem Sport." Für sie sei es nie ein Problem gewesen, dass ihr Lindsey Jacobellis vor vier Jahren in Turin mit einem unnötigen Sturz die Goldmedaille ermöglicht hatte. "Auch Silber wäre für mich eine super Sache gewesen!"
Und als Russi über den überraschenden Olympia-Sieg von Gian Simmen 1998 bei der Snowboard-Premiere in Naganos Halfpipe völlig respektlos meint, ihn habe die Sportart fasziniert, weil "das ein Spielen ist und wörtlich zu den Olympischen Spielen passt", bleibt zwar Simmen cool, doch der ebenfalls anwesende Skiakrobatik-Olympiasieger von 1994, Andreas "Sonny" Schönbächler kontert: "Jetzt spiele ich nur noch ein wenig auf der Wasserschanze. Schliesslich bin ich 44 Jahre alt!"
Daniel Wyrsch, News1