"Die Diskussion um Street View gerät ins Absurde", findet Lena Schneller, Präsidentin Junge FDP
Kaum hat Google in der Schweiz den neuen Dienst „Street View“ aufgeschaltet, führt er auch schon zu grossen Diskussionen. So meldete sich wenige Tage nach der Aufschaltung der höchste Datenschutzbeauftragte der Schweiz zu Wort und forderte, dass der Dienst eingestellt werden solle, da er die Auflagen zum Schutz der Privatsphäre verletze. Datenschutz und die Achtung der Privatsphäre sind wichtige Elemente eines Rechtsstaates. Klar ist, dass Gesichter und Autonummern, sofern sie es noch nicht sind, noch anonymisiert werden sollten. Ob darüber hinaus der Dienst für die Schweiz vollständig beendet werden soll, ist in einer Abwägung zwischen dem Nutzen und der Gefahr der Verletzung der Privatsphäre zu entscheiden sein. Die Bedenken der Schweizer sollten auf jeden Fall ernst genommen werden.
Dennoch scheint die Diskussion um Street View ins Absurde zu geraten. Skurril sind z.B. einige Beiträge in den Medien, die mit Fotos („Ruedi Noser neben blonder Frau“, „Blochers Villa“) aufzuzeigen versuchen, wie die Privatsphäre tangiert wird. Die Medien machen sich und ihre Leserschaft damit zu Voyeuren und verhelfen den Bildern zu einer Aufmerksamkeit, die sie sonst gar nicht hätten. Einige Medien fordern sogar die Leser dazu auf, ihnen lustige sowie nicht-anonymisierte Fotos von Street View einzusenden.
Darüber hinaus sorgen die über 1 Million Schweizer Facebook-Nutzer mit ihren zum Teil sehr belanglosen Kommentaren über ihr Leben auch selbst dazu, ihre eigene Privatsphäre stückweise aufzuheben. Warum regt man sich darüber auf, dass das eigene Haus über Street View ersichtlich ist, gleichzeitig erzählt man aber etlichen Facebook-Freunden, dass man sich heute Abend zum Sushi-Essen trifft, gerade auf dem Balkon die Sonne geniesst oder ein Kilo Schokolade eingekauft hat. Auch stört es kaum jemanden, dass verschiedene Warenhäuser und Einzelhandelsketten mit Kundenkarte detailliert über das Konsumverhalten jedes Einzelnen Bescheid wissen. Datenschutz und der Schutz der Privatsphäre insbesondere im Internet ist in erster Linie Aufgabe jedes Einzelnen.
Noch etwas gibt zu denken: Dass Street View auch in der Schweiz kommen wird, wusste man spätestens, nachdem die Kamera-Wagen gesichtet wurden. Warum hat man nicht bereits dann reagiert und mögliche Auswirkungen auf die Privatsphäre vorher diskutiert?